Beenden von (vermeintlichen) Freundschaften

Beenden von (vermeintlichen) FreundschaftenGrundsätzlich stellen sich Krisen in Freundschaften auf zwei Wegen dar. Bei der schleichenden Krise zieht sich einer der beiden allmählich vom anderen zurück. Er hat kaum noch oder gar keine Zeit mehr für den anderen, ist niemals um eine Ausrede verlegen, hat eine eingetrübte Stimmung und ist generell weniger für den anderen da. Dieser Prozess kann sich langsam, im Laufe von Monaten entwickeln.

Im Gegensatz dazu gibt es den großen „Knall“: Ein konkreter Vorfall führt dazu, dass einer dem anderen die Freundschaft aufkündigt. Klassisches Beispiel ist das Fremdgehen mit dem Partner des anderen. Unter Umständen ist dieser „Vorfall“ aber auch nur der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Wenn sich während einer längeren Zeit mehrfach Frust und Enttäuschungen über den anderen einstellen, reicht manchmal nur eine Lappalie, die den anderen zum „Explodieren“ bringt.

Wenn Sie merken, dass eine Freundschaft Sie belastet, läuft etwas schief. Doch woran bemerken Sie konkret diese Belastung? Hier einige Anhaltspunkte:

  • Sie freuen sich nicht darauf, Ihren Freund zu sehen oder mit ihm am Telefon zu sprechen.
  • Sie haben manchmal ein ungutes Gefühl, wenn Sie mit Ihrem Freund zusammen sind und wünschen sich, dass das Treffen schnell zu Ende ist.
  • Sie können bei Treffen nicht mehr Sie selbst sein, sondern zeigen nur Teilaspekte Ihrer Persönlichkeit.
  • Sie scheuen sich davor, persönliche Dinge zu erzählen.
  • Sie geraten öfter in Streit mit Ihrem Freund.
  • Sie fragen sich oft, was der Freund mit bestimmten Dingen gemeint hat, die er gesagt hat und Sie legen jedes Wort auf die Goldwaage.
  • Sie fühlen sich ausgenutzt.
  • Sie empfinden die Freundschaft insgesamt nicht als Entlastung, sondern als „eine Sorge mehr“.

Freundschaften sollten keine Be-, sondern eine Entlastung sein. Ziehen Sie in solchen Fällen einen klaren Schlussstrich. Sagen Sie offen und ehrlich, dass der Kontakt zu Ihrem Gegenüber Sie negativ beeinflusst und Sie gerne eine Kontaktpause einlegen möchten.

Die direkte Aufkündigung der Freundschaft erfordert Mut, ist aber ehrlicher, als wenn Sie die „Ich habe momentan gar keine Zeit!“-Ausrede ständig wiederholen müssen. Denken Sie immer daran, wie Sie behandelt werden möchten, wenn ein anderer Ihnen die Freundschaft aufkündigen möchte.

Sie können anstelle eines Vier-Augen-Gesprächs natürlich auch einen Brief oder eine E-Mail schreiben.

Übrigens: Lassen Sie sich kein schlechtes Gewissen einreden. Wenn Sie aus Mitleid eine Freundschaft weiterbestehen lassen würden, wäre das alles andere als eine gesunde Grundlage und würde den „Leidensweg“ nur verlängern. Investieren Sie die Energie und Zeit lieber in das Finden einer neuen, gesunden Freundschaft!

Sie sind herzlich eingeladen, in unserem Forum über Ihre Erfahrungen mit Freunden und Freundschaft zu sprechen und Fragen zu stellen.



Ein Gedanke zu „Beenden von (vermeintlichen) Freundschaften“

  1. ich bin 64 und hatte eine beste Freundin seit 13 Jahren. Sie ist 10 Jahre älter, als ich. Plötzlich vor einer Woche bekam ich von ihrer Tochter eine Email mit den Worten: Die Mutter will nichts mehr mit dir zu tun haben, sie will mit dir nicht mehr befreundet sein, keine Anrufe mehr, akzeptiere das. Was soll ich davon halten? Dazu muss ich sagen, dass diese Freundin, auch wenn sie 10 Jahre älter ist, als ich, immer unzuverlässig war, viel herum gejammert hat, aber ich habe alles hingenommen. Ich leide nicht darunter und bin auch nicht enttäuscht. Vielleicht ist es auch besser so. Meine Erkenntnis daraus ist, dass es Gründe haben muss, warum so viele Menschen im Alter alleine und zurück gezogen leben. Ich will keine Freundschaften mehr finden.

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