Probleme in der Freundschaft




Probleme in FreundschaftenVorweg: Streit unter Freunden ist nicht generell ein Problem und auch nicht immer zu vermeiden – nein, bis zu einem gewissen Grad ist Streit sogar befruchtend, denn die ehrliche Meinung eines anderen Menschen kann durchaus zu einer positiven Verhaltensänderung bei uns führen. Wenn Meinungsverschiedenheiten aber häufiger vorkommen und die eigenen Gedanken nur noch um solche Konflikte kreisen, ist es an der Zeit die Freundschaft auf den Prüfstand zu stellen.

Wichtig ist, sich mit dem Freund zusammenzusetzen und klar und deutlich über die Konflikte und die dadurch verursachte psychische Belastung zu sprechen. Falls keine Versöhnung möglich ist, sollte man die Freundschaft zumindest erst einmal ruhen lassen. Schließlich soll Freundschaft keine Belastung für das eigene Leben werden.

Doch was genau führt in einer Freundschaft zu Konflikten? Neben Ereignissen, wie z.B. Vertrauensbruch, sind es die unterschiedlichen Erwartungen. Jeder Mensch hat seine eigenen Ansprüche und seine eigenen Erwartungen an eine Freundschaft. Wenn diese Erwartungen aber zu stark differieren, sind Streitigkeiten vorprogrammiert. Konkret drehen sich Konflikte oft um diese Themen:

  • Zeitaufwand: Wie oft und für wie lange trifft man sich?
  • Präsenz: Wer steht wie schnell zur Verfügung, wenn der andere ihn braucht?
  • Initiative: Wer meldet sich wie oft beim anderen oder macht wie oft Vorschläge für gemeinsame Aktionen?
  • Intensität: Wer erzählt wie viel aus seinem „Privatleben“ und von seinen persönlichen Gedanken? Nicht jeder ist in der Lage über traumatische Erlebnisse sprechen zu können.
  • Verhalten: Wer kann sich in welchem Umfang mit dem Verhalten des anderen identifizieren?
  • Stimmung / Emotionen: Wie oft sind beide Menschen in ähnlicher Stimmung?
  • Gegenseitigkeit: Existiert ein ausgeglichenes Geben und Nehmen oder gibt einer mehr, als er zurückbekommt?
  • Gefühl: Herrscht ein echtes „Freundschaftsgefühl“? Oder wird man trotz der gemeinsam verbrachten Zeit nicht „warm“ miteinander?
  • Abhängigkeiten: Ist einer der Mittelpunkt im Leben des anderen? Ist die Freundschaft nicht mehr nur ein Teilaspekt des Lebens, sondern der ausschließliche Inhalt?
  • Verbundenheit: Gerät die Freundschaft immer mehr zur Partnerschaft? Man muss mit Freunden nicht drei Wochen Urlaub in einem Zelt aushalten.
  • Konkurrenzdenken / Neid: Gönnen beide dem jeweils anderen Glück und Erfolg?



Laut einer Untersuchung aus dem Jahr 1990 unter 103 Personen gab es unter anderem folgende Gründe für das Scheitern von Freundschaften: Eifersucht auf oder Kritik an einer Beziehung zu Dritten, vertrauliche Informationen weitergegeben, keine Hilfsbereitschaft, kein Vertrauen gezeigt, öffentliche Kritik geäußert, keine positive Wertschätzung. [ ] Gegengeschlechtliche Freundschaften bieten im Bezug auf einige der genannten Konfliktgründe, z.B. das Konkurrenzdenken, Vorteile, da hier ein entspannteres Verhältnis besteht. [ ]

Bitte kommen Sie niemals auf die Idee, eine bestehende Freundschaft zu „testen“, indem Sie eine Notsituation konstruieren, um die Einsatzbereitschaft des Freundes zu prüfen. Dies ist unehrlich, ein Vertrauensbruch und ein Grund für Ihren Freund, den Kontakt zu Ihnen abzubrechen. Lassen Sie lieber die vergangenen Monate Revue passieren und vertrauen Sie auf Ihr Bauchgefühl, dann wissen Sie, ob Ihr Freund noch Ihr Freund ist.

Sie sind herzlich eingeladen, in unserem Forum über Ihre Erfahrungen mit Freunden und Freundschaft zu sprechen und Fragen zu stellen.

Vgl. Heidbrink, Horst: Freundschaftsbeziehungen. In: Journal für Psychologie, Jg. 15 (2007), Ausgabe 1.
Vgl. Rohde-Höft, Cornelia; Heißenbüttel-Röhr, Regine: Freundschaft zwischen Mann und Frau. Eine empirische Untersuchung zur gegengeschlechtlichen Freundschaft. In: Mees, Ulrich; Schmitt, Annette: Emotions-Psychologie: theoretische Analysen und empirische Untersuchungen. Oldenburg: BIS 2003. Seite 150.
 


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