Warum habe ich keine Freunde?

Warum habe ich keine Freunde?Oft gibt es nicht nur einen Grund, warum Menschen keine Freunde haben, sondern es ist eine Mischung aus mehreren Ursachen:

Ich bin schon älter.
Sicher darf niemand behaupten: „Ich bin alt, deshalb habe ich keine Freunde und ich werde auch keine Freunde mehr finden!“ Tatsache ist jedoch, dass sich im Erwachsenenalter die Zahl der Freundschaften verringert, wie Untersuchungen zeigen. [ ] Dies hängt damit zusammen, dass sich die Zahl der Sozialkontakte verringert: Ein Pensionär kommt mit weniger Leuten in Kontakt als ein Büroleiter einer Firma oder als ein Schüler, der vormittags in der Schule ist und nachmittags im Sportverein und in der Musikschule.

Zudem gilt: Je älter man wird, desto schwieriger ist es, neue Freunde zu finden. Neben den beschriebenen kontaktärmeren Lebensbedingungen ist dafür auch eine gewisse eingeschränkte Bereitschaft Kompromisse einzugehen verantwortlich. Je älter man wird, desto weniger möchte man sich für andere Menschen verändern und seine Gewohnheiten umstellen.

Mein Beruf nimmt mich voll und ganz in Anspruch.
Der Lebensunterhalt muss verdient werden, auch unter beruflichen Bedingungen, die den Kontakt zu anderen erheblich einschränken, wie z.B. Nachtarbeit, Schichtdienst, mehrere Jobs gleichzeitig, Auslandsaufenthalte usw. Je weniger Zeit für Freizeitbeschäftigungen bleibt, desto schwieriger ist das Finden und Pflegen von Freundschaften.

Meine Familie geht vor.
Ähnlich wie berufliche Bedingungen können auch familiäre Umstände eine Freundschaft erschweren. Wer viele Kinder oder kranke, pflegebedürftige Angehörige hat, dem wird kaum Zeit bleiben, sich stundenlang der „Freizeit“ hinzugeben.

Mein Partner ist mein Leben.
Die enge Bindung an einen Lebenspartner kann dazu führen, dass wir das Thema Freundschaft nicht mehr als so wichtig ansehen, denn schließlich kann uns die Liebe stark ausfüllen. Zudem bringt der Partner eine Familie mit, zu der wir ebenfalls Kontakte knüpfen. Auch der Freundeskreis des Partners bindet uns vielleicht gerne ein und berücksichtigt uns bei gemeinsamen Aktivitäten. Nur, was ist, wenn die Partnerschaft zerbricht? Der Partner ist weg und mit ihm seine Familie und sein Freundeskreis. Zurück bleibt ein einsamer, unglücklicher Mensch.

Mein Partner möchte, dass ich meine Zeit mit ihm verbringe.
Neben dem freiwilligen Verzicht auf Freundschaften zugunsten einer Partnerschaft gibt es auch den unfreiwilligen Verzicht. Wenn der Partner die gesamte Zeit beansprucht („Wer ist dir wichtiger, deine Freunde oder ich?“), womöglich noch eine Eifersucht auf die Freunde des Partners hegt, seine eigenen Freunde als wichtiger ansieht und darauf besteht, mit diesen die Freizeit zu verbringen, dann wird es schwierig mit den eigenen Freundschaften.

Ich bin umgezogen / lebe auf dem Land.
Unsere heutige Mobilität trägt nicht gerade dazu bei, Freundschaften aufrechtzuerhalten. Wie im ersten Kapitel schon erwähnt, ist eine örtliche Nähe für das Pflegen einer Freundschaft wichtig. Wer seinen Wohnort verlagert, womöglich noch in anderes Land, verlässt meist auch seine Freunde. Generell schwierig ist das Finden von Freundschaften abseits der Städte: Auf dem Land leben weniger Menschen und die Wahrscheinlichkeit, einen freundschaftlichen „Glückstreffer“ zu landen, ist erheblich geringer.

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Sie sind herzlich eingeladen, in unserem Forum über Ihre Erfahrungen mit Freunden und Freundschaft zu sprechen und Fragen zu stellen.

Vgl. Härtwig, Juliane: Freundschaft im Wandel der Geschlechterrollen. Diplomarbeit eingereicht im April 2005, Institut für Soziologie, Freie Universität Berlin. Stand: 30.12.2012.


86 Gedanken zu „Warum habe ich keine Freunde?“

  1. Hallo zusammen,
    vor einiger Zeit wäre es noch absolut undenkbar gewesen das ich folgendes jemals öffentlich über mich schreiben würde, allein das innerliche „Gejammer“ keine Kumpels mehr zu haben fühlt sich fast schon erbärmlich an.
    Es gibt sie scheinbar doch noch, die Momente tiefer Traurigkeit, lange habe ich sie nicht mehr empfunden.
    Nach harten 90er Jahren, reichhaltig an Kumpels, 2-3 echte Freunde die füreinander durchs Feuer gegangen wären, aus heutiger Sicht, leider viel zu berauschend durch verschiedene Substanzen. Gegen Ende der 90er veränderte ich mich durch harte Schicksalsschläge, wir waren ca. 12-15 Leute, 3-5 haben die unzähligen Partys überlebt, einer hörte vollständig damit auf, meine Wenigkeit.
    Es war fortan zwar nicht alles rabenschwarz, ganz im Gegenteil, zu meiner Verwunderung veränderte ich mich so sehr das man meinen könnte, mir würde die Sonne aus dem Arsch scheinen. Doch der Weg dorthin war nicht nur einsam er verlangte Opfer. So entwickelten sich Psychosen, Soziophobie ist wohl die schlimmste davon.
    Noch in den 90er heirate ich eine alte Schulfreundin, so wählte einen anderen Weg zu Beginn dieser Jahre als ich, nach vielen Jahren, nämlich Ende der 90er fanden wir jedoch zueinander. Bis zum heutigen Tag ist zwischen uns noch ne Ganze Menge toll und harmonisch. Die Kinder sind mittlerweile groß und versorgt. Durch meinen einzigen und besten Freund, unseren Kater ist der Spaßfaktor ständig auf hohem Level. Und doch fühlt sich das alles zu wenig an, zu einsam.

    Tapfer, lieb und nett wie meine Frau ist lauscht sie nun schon seit sovielen Jahren meinem Geistigen Schwachsinn, meine Späße, Politischen Ansichten, sogar beim Thema Sport hört sie mir zu, sie interessiert es garnicht, dennoch weiß sie über Fussball, Football, Motorsport usw… sie weiß genauestens über alles bescheid. Mein Dank hierfür ist nicht in Worte zu fassen.

    Sollte man zufrieden sein mit dem was man hat? Prinzipiell ja denke ich. Sollte man nach MEHR schreien? Nein! Schließlich gibt es mindestens einen der noch weniger hat.

    Nur wie geht man damit um? Das man spätetens mit 40/45 ruhiger wird ist mir klar und das zwischenmenschliche wird auch nicht einfacher, ich für meinen Teil bin 43, recht anpassungsfähig also nicht festgefahren in meiner Lernfähigkeit, nen Stock im Arsch werde ich niemals haben, soll heißen immernoch Locker genug um über mich selbst zu schmuzeln. Aber vermutlich leider, bin ich sehr genau, heißt wenn man sich für 15 Uhr verabredet sollte es auch um 15 Uhr sein und nicht mal um 17 Uhr mal nen Tag später oder per SMS absagen etc. Die Töchter sagen immer ich sei zu konservativ, zu Oldschool, mach Dich mal locker usw.. Noch lockerer als Papa wären vermutlich nur noch Cheech und Chong! ;))

    Und nun wieder die üblichen Zweifel, soll ich das tatsächlich so ins Netz stellen, hab ich zuviel gebrabbelt, juckt es überhaupt jemanden usw.. Diese Zweifel nerven! Frage ich hierzu meinen Kater sagt er wie immer MAU! was vermutlich die Universal-Anwort ist für „Alles Super, Papa!“, frag ich meine Frau, nee kann ich ihr nicht antun, hab ihr über die Jahre schon zu oft die Hucke voll gejammert von Kumpels die entweder nicht mehr leben, mich übern Tisch gezogen haben oder wo man das Interesse hin verloren hat.

    Vielleicht sollte ich Schriftsteller werden, „Mein Kater, meine Frau und der Wahnsinn in meinem Hirn.“ Würde vielleicht nen Bestseller werden. *lach*

    Danke fürs lesen und falls ihr eingeschlafen seid, sorgt Euch nicht, morgen früh gibts bestimmt nen leckeren Kaffee vom Frauchen. 😉

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