Warum habe ich keine Freunde? Teil 2

Warum habe ich keine Freunde?Teil 2: Oft gibt es nicht nur einen Grund, warum Menschen keine Freunde haben, sondern es ist eine Mischung aus mehreren Ursachen:

In meiner Gegend leben die „falschen“ Leute.
So sehr manche Menschen es sich auch wünschen, einen Freund zu haben – es gibt Umfelder, in denen nicht die, aus der Sicht des Suchenden, dafür „richtigen“ Menschen leben. Das können soziale Brennpunkte sein, in denen viele Menschen Verwahrlosungstendenzen zeigen oder auch, im Gegenteil, gut situierte Gegenden, in denen der Schein regiert und der aufrichtigen Freundschaft ebenfalls weniger Beachtung geschenkt wird.

Ich finde hier einfach niemanden.
Wer keine Freunde hat, sucht möglicherweise auch am falschen Ort. Das Internet kann nützlich sein, um erste Kontakte zu knüpfen, aber ist ganz sicher nicht der Ort, an dem Freundschaft entsteht und sich abspielt. Gemeinsame Erlebnisse im realen Leben sind unabdingbar, um Freunde zu finden. Auch wer sich an Orte begibt, an denen er sich nicht wohlfühlt, wird es schwer haben, Freunde zu finden, weil natürlich auffällt, wie angespannt und unzufrieden jemand ist: Der Kneipenhasser hat in der Kneipe nichts zu suchen, der Tanzmuffel nichts auf der Tanzfläche.

Mein Hobby wird nur von wenigen Menschen betrieben.
Es gibt Menschen, deren Interessen nur von ganz wenigen anderen geteilt werden. Wenn diese Interessen dann auch noch zeitintensiv sind, ist die Möglichkeit andere Menschen kennenzulernen sehr eingeschränkt. Letztendlich muss hier also entschieden werden, was einem wichtiger ist: das exotische Hobby oder das Zugehen auf andere Menschen. Mit Letzterem ist natürlich nicht gemeint, dass man seine Interessen völlig aufgeben muss, sondern es geht nur um eine Umverteilung der zur Verfügung stehenden Zeit in Richtung Kontakte knüpfen.

Ich bin arbeitslos.
Wer seine Freunde vor allem aus dem Kreis der Arbeitskollegen wählt, geht ein gewisses Risiko ein: In diesen Freundschaften ist häufig die Arbeit das verbindende Element. Verlässt nun einer der Freunde den Arbeitgeber, aus freien Stücken oder gezwungenermaßen, fehlt diese Verbindung plötzlich und man wird einander fremd. [ ] Dies ist quasi ein doppeltes Unglück: arbeitslos, ohne Freunde.

Ich habe äußerliche Makel.
Neben der vermeintlichen Unattraktivität aufgrund des Aussehens gibt es natürlich durchaus Menschen, die sich etwas mehr um sich kümmern müssten: Ungepflegtheit oder unpassende Kleidung kann geändert werden. Mit mehr Aufwand verbunden ist die tatsächliche Beseitigung oder Maskierung von körperlichen Makeln oder Behinderungen (Gesicht, Hände usw.). Aber auch hier gilt: Äußerlichkeiten stehen einer Freundschaft nicht im Wege.

Ich bin krank.
Neben der Krankheit von Familienangehörigen oder des Partners (siehe oben) können natürlich auch eigene Krankheiten oder Abhängigkeiten von Hilfsmitteln das Finden und Pflegen von Freundschaften erschweren. Man denke nur an jemanden, der seine Wohnung nicht mehr verlassen kann oder auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Voraussetzung für eine Freundschaft ist fast immer auch Mobilität, da das Zusammentreffen mit Freunden in der Regel außerhalb des Hauses an wechselnden Orten stattfindet. Nach einer Untersuchung der TNS Infratest Sozialforschung im Jahr 2008 berichteten immerhin 21,4 Prozent der Befragten, dass sie wegen gesundheitlicher oder seelischer Probleme „manchmal“, „oft“ oder „immer“ in ihren sozialen Kontakten eingeschränkt waren. [ ]

Ich bin schüchtern.
Menschen, die von sich aus eher zurückhaltend, schüchtern, introvertiert sind, haben es schwerer Freundschaften zu finden. Selbst wenn sie angesprochen werden, kann dieses Ungeübtsein in der Konversation dazu führen, dass sie derartig aufgeregt oder perplex sind, dass sie kein vernünftiges Gespräch zustandebringen. Übrigens kommen schüchterne Menschen manchmal auch arrogant rüber.

<<< Hier geht es zu Teil 1

Hier geht es zu Teil 3 >>>

Sie sind herzlich eingeladen, in unserem Forum über Ihre Erfahrungen mit Freunden und Freundschaft zu sprechen und Fragen zu stellen.

Vgl. Groll, Tina: Freunde kann man sich aussuchen, Kollegen nicht. Hamburg: Zeit Online, 30.07.2010. Stand: 30.12.2012.
Vgl. TNS Infratest Sozialforschung: Sozio-oekonomisches Panel 2008. Stand: 30.12.2012.


2 thoughts on “Warum habe ich keine Freunde? Teil 2

  1. Freundschaften hängen auch vom Beruf und einkommen ab..wer wenig Geld hat …kann am gesellschaftlichen leben nicht mehr teilhaben..schlechte Erfahrungen.und Ausgrenzungen sind auch Hindernisse.Hier ist eine geschlossene Gesellschaft.,,die haben ihren kreis.als aussenstehender hat man keine Chance,aufgenommen zu werden.Kein mensch kann über seine schatten springen.

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Menschen zu finden, die mit uns fühlen und empfinden, ist wohl das schönste Glück auf Erden.

Carl Spitteler (1845 - 1924)

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