Freundschaften finden und halten

Raven

Neues Mitglied
#1
Hallo an alle,

erst einmal ein Gruß in die Runde! Ich bin neu hier und gespannt auf den Austausch in diesem Forum! :) Ich bin aus RLP, habe einen Partner und ein Kind.

Der Grund, weshalb es mich hierhin verschlagen hat, ist dass wir (mein Partner und ich) in den letzten Jahren viele Freunde und persönliche Beziehungen zu Familienmitgliedern verloren haben.

Ich hatte noch nie besonders viele gute Freunde, aber ca. 2 bis 3 recht gute Freunde waren in den letzten 10 Jahren eigentlich immer da. Familiär ist zu sagen, dass ich keinen Kontakt zu meinen Eltern habe, da das Verhältnis nie besonders gut gewesen ist und ich irgendwann aus konkreten Gründen den Kontakt abgebrochen habe. Da ich auch weiter weg gezogen bin, habe ich nur zu wenigen Familienmitgliedern sporadisch Kontakt. Der Zusammenhalt in der Familie meines Partners hat sich in den letzten vier Jahren auch aufgelöst, da hier jeder jeden hintergeht und schlecht übereinander gesprochen wird. Ein Teil dieser Familie hat auch einen Keil zwischen den besten Freund meines Partners und meinen Partner getrieben, sodass auch mein Partner derzeit recht einsam ist. Er hat zwar noch einen guten Freund, doch dieser wohnt recht weit weg.

Nun blieben mir noch meine 3 guten Freunde und einige Bekannte. Einer meiner guten Freunde hat selber Probleme, im Leben Fuß zu fassen. Ich habe diese Person immer unterstützt und versucht, bei Ihren Problemen zu helfen. Diese Person umgibt sich jedoch immer mit Lebensumständen und Personen, die Ihre eigenen Probleme (Depression, Arbeitslosigkeit, etc.) quasi "spiegeln" und sie in diesem "Sumpf" halten bzw. die Probleme noch verschlimmern. Ich habe das jahrelang mitangesehen und gesehen, wie die Person leidet und unglücklich ist. Nun habe ich irgendwann, nach reiflicher Überlegung, versucht, die Punkte anzusprechen, die meiner Meinung nach verhindern, dass sie aus diesem Tief heraus kommt. Dabei habe ich die Person in keinster Weise beleidigt oder abgewertet und mich sehr bemüht, sanfte Worte zu benutzen. Dies führte jedoch lediglich dazu, dass die Person meine Intention überhaupt nicht verstanden hat und sich seitdem nicht mehr meldet. Depressive Phasen, in denen sie sich für lange Zeit zurückgezogen hat, sind allerdings schon häufiger bei der Person vorgekommen - auch ohne mein Zutun.

Die zweite Person der drei besseren Freunde ist so sehr in ihr eigenes Leben und ihre Karriere eingebunden, dass sie in den über 10 Jahren, die ich nun schon nicht mehr mit dieser Person in der gleichen Stadt wohne, lediglich 3 mal bei uns zu Besuch war. Ich habe sie einige Male besucht, aber auch das ist an einer Hand abzuzählen (und das lag nicht an mir, ich hätte mich gerne öfter getroffen, aber es war nie Zeit von der anderen Seite aus da). Der Kontakt war jedoch telefonisch regelmäßig und eigentlich recht gut. Nun habe ich nach über zehn Jahren, in denen ich mich nie über etwas beschwert habe und immer ein Ohr für die Probleme der Person hatte, einmal angemerkt, dass ich das Gefühl habe, ein Lückenfüller zu sein. Grund war, dass die Person auf meine Einladung für eine Feier in zwei Monaten hin sagte, sie werde mal schauen, und wenn sie bis zu dem Termin nichts (beruflich) Wichtigeres vor habe, werde sie vielleicht vorbeikommen. Meine Vorstellung zu diesem Thema ist eigentlich, dass man einen Termin ausmacht, und der Termin Priorität hat, der zuerst vereinbart wurde (es sei denn, es kommt wirklich etwas Wichtiges unvorhersehbar dazwischen, dann habe ich selbstverständlich Verständnis dafür, das Treffen zu verschieben). In einem Gespräch zu diesem Thema sagte sie mir zwar, dass es nicht stimme, dass ich Lückenfüller sei, die Person aber auch nicht nachvollziehen könne, weshalb ich so denke. Wir kamen zu keinem Konsens und sie empfahl, jeder erst mal seine eigenen "Probleme" in den Griff zu bekommen. Seitdem ist der Kontakt ihrerseits sehr stark zurückgegangen.

Nun frage ich mich, was ist eine Freundschaft wert, wenn man nicht auch einmal offen über Probleme sprechen und gemeinsam an einer Lösung arbeiten kann? Ich bin eigentlich immer für meine Freunde da, wenn Not am Mann ist, habe immer ein offenes Ohr und Verständnis für vieles. Doch ich denke auch, dass auch ich ein Recht darauf haben sollte, zu äussern, wenn ich unglücklich mit einer Situation bin?

Mir fällt es generell schwer, neue Freunde zu finden, weil ich eher zurückhaltend bin und aufgrund zahlreicher negativer Erfahrungen einfach lieber erst einmal etwas vorsichtiger bin, bevor ich mich ganz auf eine Freundschaft einlasse. Vielleicht denken deshalb die Menschen, ich wäre arrogant, oder langweilig, oder wasauchimmer... jedenfalls komme ich auf der Suche nach neuen Freunden selten über oberflächliche Kontakte hinaus. Das ganze wird auch dadurch erschwert, dass wir sehr ländlich wohnen und nicht so der Typ für die gängigen Vereine hier auf dem Land sind.

Ich habe zwar noch einige wenige Bekannte, die das Potential zu Freundschaften hätten, weil wir uns recht gut verstehen. Doch hier scheitert es wie so oft auch an der Zeit der Personen (oder man steht einfach zu weit hinten auf ihrer Prioritätenliste), sodass wir doch die meiste Zeit alleine verbringen.

Habt ihr eine Idee, ob es falsch war, den Freunden gegenüber offen zu sein? Oder wie ich leichter neue Freunde kennen lernen kann? Ich wünsche mir Freundschaften, in denen weniger oberflächliche Themen wie shoppen gehen, Tupperabende, Gespräche über den Thermomix oder den neuesten Klatsch und Tratsch im Vordergrund stehen. Ich suche eher nach Menschen, mit denen man die Weltsicht teilen kann und vielleicht das eine oder andere gemeinsame Interesse hat.

Schöne Grüße in die Runde
Raven
 
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Raven

Neues Mitglied
#2
Huhu,

niemand hier, der vielleicht Lust zu antworten hat? Ist mein Text zu lang geworden? Oder was ist der Grund?

LG
Raven
 

JordaNeXe

Neues Mitglied
#3
Habe dies jetzt erst gesehen, weil ich länger nicht hier aktiv war. Sowas hab ich mich lange auch gefragt, ob dies verkehrt ist zusagen was man denkt oder wie man sich fühlt. Selbiges bei meiner jetzigen Ex die sich vor 3 Monaten trennte, habe ich gesagt was ich fühle, dann gab es jedes mal ärger. Ich habe zu alten Freunden auch nur noch sehr sporadischen Kontakt und das auch nur noch über Whatsapp. Zu der Person mit den Depressionen, naja ich kann es auf einer Art verstehen. Gleich und Gleich gesellt sich dort nunmal gern, weil man sich "verstanden" fühlt. Dennoch sollte man wissen wann der Zeitpunkt ist sich nicht mehr runterziehen zu lassen. Back to Topic. Also ich habe auch angefangen zu sagen was mir nicht passt wie man wen behandelt oder wie es allgemein läuft und es ist kein Fehler, denn wenn die Leute wirklich was an einem haben bleiben diese und wissen diese Kritik zu schätzen. Ich habe momentan niemanden mit den ich war mache, bin aber doch froh darüber. Es gibt eben diesen unnötigen Ärger nicht und da meine Freundin auch ging habe ich auch keine Verlustängste mehr. Natürlich verstehe ich
suche eher nach Menschen, mit denen man die Weltsicht teilen kann und vielleicht das eine oder andere gemeinsame Interesse hat.
und würde ich auch gern haben, aber da kommen sicher noch Leute mit denen man sowas machen kann (Hoffe ich zumindest :D).

Mit freundlichem Gruß
Die eXe
 

Raven

Neues Mitglied
#4
Hallo JordaNeXe,

vielen Dank für Deine Antwort! Es tut mir leid, dass es Dir ähnlich geht. Ich finde eigentlich, es erleichtert auch in einer Beziehung das Zusammenleben, wenn beide Partner ehrlich miteinander umgehen und sagen, was sie denken. Natürlich muss das behutsam passieren und man muss nicht wirklich jedes (möglicherweise verletzende) Detail ansprechen, aber im Grunde ist das doch die Basis, um gemeinsam an einer funktionierenden Beziehung arbeiten zu können.

Ich kann es prinzipiell auch verstehen, dass jemand sich zurückzieht, wenn man ihm zu harte Worte an den Kopf wirft. Manche Menschen trifft dies eben sehr tief und sie kommen damit nicht zurecht.

Was mich jedoch wahnsinnig macht, sind Situationen, in denen ich nicht weiß, weshalb jemand nichts mehr mit mir zu tun haben will oder sich zurückzieht. Ein Beispiel: Eine Familie, die wir über unseren Sohn neu kennengelernt hatten, hatte uns letztes Jahr zu zwei Geburtstagen eingeladen. Wir kommen oberflächlich ganz gut miteinander aus, kennen uns aber natürlich noch nicht so gut. Wir haben beide Geburtstage besucht. Ich habe mir noch recht viel Mühe mit dem Geschenk gemacht und etwas gebastelt. Extra nicht zu teuer, damit es nicht "zu viel" wird. Gefragt, ob wir einen Salat o.ä. mitbringen sollen. Wir haben uns bemüht, uns am Gespräch zu beteiligen (fällt uns öfters schwer, da wir nicht so viele gemeinsame Gesprächsthemen haben und eher zurückhaltend sind, aber wir haben uns Mühe gegeben). Die Parties ansich waren auch ganz nett.

Nun wurden wir beide dieses Jahr zu beiden Geburtstagen nicht mehr eingeladen. Was haben wir also falsch gemacht? Liegt es daran, dass wir dieses Jahr selber keine Geburtstage gefeiert haben? (Der Grund hierfür ist, dass es Familienprobleme gab, daher auch einige Leute wegfallen, von unseren Bekannten so viele Leute eh nicht zuverlässig kommen und es im Endeffekt peinlich ist, nur mit einer Hand voll Leute da zu stehen.) Haben wir zu wenig geredet? Das Falsche gesagt? Hat man uns schlichtweg einfach vergessen, da wir zu langweilig sind? Haben wir irgendetwas anderes falsch gemacht? Ich versteh es einfach nicht. Gleichzeitig hört man von den eben genannten Personen "Wir sollten nochmal zusammen grillen." Oder "Wir sollten uns nochmal treffen, damit die Kinder den Kontakt halten." Wenn man dann darauf eingehen möchte und konkrete Vorschläge macht, kommt es von ihrer Seite nicht zustande. Wenn sie die Kinder hierhin zum Spielen bringen, lassen sie diese vor der Türe aussteigen und sagen nich mal Hallo. Umgedreht bringen wir unser Kind aber immer zur Tür und halten noch ein wenig Smalltalk, werden dann auch rein gebeten. Muss ich das verstehen?

Ich habe lauter so Leute, die solche widerspüchlichen Signale aussenden und verstehe es einfach nicht. Es muss ja irgendwie auch an uns liegen, sonst würde uns das nicht häufiger passieren, aber ich komme nicht darauf, was ich ändern könnte. Ich gebe mir wirklich Mühe mit den Leuten, habe eine eigene Meinung, versuche aber nicht, jemanden zu belehren oder jemandem irgendetwas aufzudrängen, versuche nett, höflich und zuverlässig zu sein, zu helfen, wenn es geht... Ich versetze niemanden, halte mich an Vereinbarungen und versuche, den Leuten auch mal einen Gefallen zu tun, teile gerne und bin ansonsten recht tolerant. Irgendwie scheint das aber nicht der richtige Weg zu sein. Ich sehe so oft Leute, die Mist ohne Ende von sich geben (zum Beispiel über Ausländer hetzen o.ä.) und haufenweise Freunde haben. Wo ist der Zusammenhang? Ich komme langsam zu dem Eindruck, dass ich einfach nicht in der Lage bin, soziale Kontakte zu pflegen.

Liebe Grüße
Raven.
 
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