Ich hab's ja nicht anders gewollt...

Kitefan

Neues Mitglied
#1
Hallo Miteinander,

gerade habe ich dieses Forum gefunden und musste mich einfach anmelden. Irgendwie trifft es mein Leben ganz genau, wobei ich ehrlich sagen muss, dass ich diesen Zustand bewusst herbeigeführt habe - ich habe keine Freunde. Keinen Einzigen. Nicht mehr. Und das war auch so gewollt...

Da die Vorgeschichte seeeehr lang ist, werde ich sie einfach runtererzählen. Mal sehen, ob jemand bis zum Ende liest.

Zunächst mal bin ich 36, Akademiker, guter Job (reicht jedenfalls aus) und habe eigentlich alles, was ich brauche. Ich bin geschieden und habe ein Kind von 4 Jahren, keine Streitereien. Weder mit meiner Exfrau noch mit sonstwem. Und das entspannt mich sehr, denn das war nicht immer so...

Wie es dazu kam, dass ich keine Freunde mehr habe, ist einfach erklärt. Ich wollte nicht mehr und habe alle engeren sozialen Bindungen beendet, ziemlich abrupt sogar. Das bedeutet, dass es in meinem Leben keine wichtigen Menschen mehr gibt außer meiner Familie (Eltern und Schwester) und meinem Kind. Klar, ich unterhalte mich mal hier, mal da, gehe auch mal (sehr selten eigentlich) mit jemandem weg (aktuell sind es zwei Arbeitskollegen). Aber engere Bindungen lasse ich nicht zu. Ich kann einfach nicht, denn alle engen sozialen Bindungen haben mir in der Vergangenheit nur Kummer und Leid eingebracht. Sowohl, was Freundschaften angeht, als auch Beziehungen. Fangen wir mit den Freundschaften an:

Ich hatte von je her nur wenige, enge Freundschaften. Eigentlich waren wir über locker 25 Jahre ein kleiner Kreis von 5 engen Freunden. Lockere Freundschaften gab es etliche, aber die kamen und gingen, wie es eben so ist. Nun, wenn man sich in einem so engen und verschworenen Kreis bewegt, ist es für Außenstehende schwer, Zugang zu finden. Das fing schon recht früh an, so mit 17 etwa, als die ersten festen Beziehungen begannen. Unsere Freundinnen scheiterten regelmäßig an diesem kleinen Kreis. Wie es sich mit dem Erwachsenwerden aber so verhält, zerfiel diese kleine Gemeinschaft irgendwann. Nicht von jetzt auf gleich, sondern im Laufe von Jahren. Genauer gesagt, im Laufe der letzten 10 Jahre. Einige von uns zogen weg, andere heirateten. Einer davon war ich. Wenn Kinder im Spiel sind, verschieben sich die sozialen Kontakte natürlich. Weniger Party, mehr Krabbelgruppenausflug. So in etwa. Das freundschaftliche Bündnis unserer kleinen "Gang" litt natürlich darunter, erst unmerklich, später deutlich sichtbar. Gemeinsame Treffen fanden nicht zunächst nicht mehr täglich statt, sondern wöchentlich, dann irgendwann monatlich, und schließlich nur noch ab und zu.
Zugleich veränderten sich auch die Charaktere, wir wurden im wahrsten Sinne des Wortes erwachsen. Teile von uns zumindest. Irgendwann stellte ich also fest, dass aus meinen Freunden eher so was wie gute Bekannte geworden waren. Wir hatten kaum noch gemeinsame Interessen, sprachen regelmäßig aneinander vorbei und konnten uns kaum mehr in den anderen hineinversetzen. Ich nahme das hin, denn es erschien mir als natürliche Folge von "Erwachsen-Familie-Job". Die Prioritäten verschoben sich.
Natürlich geht so was nicht schmerzfrei vor sich. Es gab etliche Auffrischungsversuche, die manchmal auch mit Gezeter verbunden waren. Das übliche "Du meldest Dich gar nicht mehr" und Ähnliches.

Bis dahin eigentlich nichts schlimmes, hatte ich doch nun eine eigene Familie und auch entsprechende Interessen. Leider aber funktionierte meine Ehe aber nach einiger Zeit nicht mehr, ich ging. Für meine "Freunde" war dies ein Schock. Ich war immer der Älteste in unserer Gruppe und dadurch auch der erste mit Freundin, Auto, Uniabschluß, Job und so weiter. Und eben auch mit Familie. Meine "Freunde" (ich setze das Wort ab hier bewusst in Anführungszeichen), teils mittlerweile selbst mit Familie oder fest liiert, reagierten höchst unterschiedlich. Ein Teil von fing mich auf, wollte nach deren Aussage für mich da sein, verstand aber leider nicht, was mich bewegte. Wie auch, sie waren ja nicht in meiner Situation. Ich hätte nie gedacht, wie sehr mich die Erkenntnis einer gescheiterten Ehe zerreisst. Sie sagten also, ich könne mich auf sie verlassen. Meine Bedürfnisse nahmen sie jedoch nicht wahr, selbst dann nicht, wenn ich sie äußerte. Mir schien sogar, dass sie den Kontakt mieden. Beinahe so, als trüge ich den Beziehungszerstörungsvirus in mir. Der andere Teil meiner "Freunde" reagierte direkter. Sie hielten mich für einen Arsch und wollten nichts mehr mit mir zu tun haben.

Tja, und dann kam der Supergau. Ich verliebte mich in die Exfreundin eines meiner "Freunde" und sie in mich. Was da los war, kann sich wohl jeder denken. Letztendlich führte es dazu, dass diese neue Beziehung massiv von außen torpediert wurde. Und zwar so lange, bis wir aufgaben. Eigentlich gab sie auf, mit den Worten "wir hätten nie was miteinander anfangen dürfen". Das saß. Es kam, wie es kommen musste, ich brach buchstäblich in mir zusammen. Nicht äußerlich, aber innerlich. Ich funktionierte gut, der Job funktionierte gut (er macht mir auch einen Heidenspaß), als Vater und Unterhaltszahler funktionierte ich auch gut. Als Mensch aber nicht mehr. Irgendwas machte *knack* bei mir und ich verlor das Vertrauen in Alles und Jeden. Na und dann dauerte es auch nicht mehr lange, bis ich einfach den Schritt gehen musste, diese "Freundschaften" zu beenden. Seitdem fühle ich mich frei, der Druck ist wie weggeblasen.
Dies ist der "Freundschaftsteil".

Nun zu meinen Beziehungen:

Ich hatte einige gute und einige schlechte im Leben, wie das wohl bei jedem so ist. Über die schlechten will ich hier gar nicht reden. Dass die nicht unbedingt zu mehr Vertrauen in andere Menschen beitragen, erklärt ich von selbst. Die guten aber, die bewirkten letztendlich, dass ich einfach keine Beziehung mehr führen kann. Denn sie fingen zwar gut an, sie endeten aber in allen Fällen dramatisch.
Ich hatte in meinem Leben drei gute, längere Beziehungen (die Kurzgeschichten zähle ich dabei nicht mit). Die erste mit 17, sie hielt unglaubliche 8 Jahre. Leider stellte sich meine Freundin nach etwa 6 Jahren als psychishc sehr krank heraus. Es kam alles nach oben, nachdem sie aufgrund einer beginnenden Essstörung behandelt wurde. Die Geschichte ist lang und verworren, aber schließlich wurde bei ihr eine Dissoziative Identitätsstörung diagnostiziert. Wer's kennt, weiß Bescheid. Wer nicht, dem empfehle ich mal eine kurze Internetrecherche und anschließend, sich niemels, NIEMALS mit einem solchen Menschen einzulassen. Unsere damalige Beziehung endete, nachdem ich über zwei Jahre hinweg etliche Suizidversuche ihrerseits verhindern musste und sogar einen Mordversuch an mir. Da war es bei mir vorbei, das hielt ich nicht länger aus und floh förmlich vor ihr.
Danach war ich zwei Jahre lang Single mit allen zwischenmenschlichen Vorzügen, die Man(n) sich so vorstellen kann, ich hatte ein gute und wilde Zeit. Und lernte irgendwann meine damalige Arbeitskollegin zunächst kennen und dann lieben. Wir waren drei Jahre ein Paar, dann heirateten wir. Ich war mittlerweile 31 und meine Frau schwanger. Unsere Ehe ging aber 2012 in die Brüche, nach nur drei weiteren Jahren. Gründe dafür gab es viele und sie sollten auch privat bleiben. Aber es gab keine Gewalt und keinen Betrug, nur leider völlig verschiedene Sichtweisen auf die Welt. Wir verstehen uns nach wie vor gut (zumindest auf die Distanz) und unser Kind hat, soweit ich das beurteilen, jetzt eine glücklichere Kindheit, als wir sie ihm in Paarform hätten bieten können. Aber wie ich oben bereits geschrieben habe: die Erkenntnis, dass dieser Traum zerplatzte, hat mich schwer getroffen. Und meine Sichtweise auf Beziehungen im Allgemeinen verändert.
Danach war ich wieder ein Jahr Single, bis es zu dieser "verhängnisvollen" Beziehung mit der Ex eines meiner "Freunde" kam. Der Verlauf dieser Beziehung und dessen, was um uns herum passierte, hat mich das Vertrauen in andere Menschen und den Glauben an das Glück vollends verlieren lassen.

Und nun sitz ich hier und schreibe. Vielleicht ist jetzt verständlich, warum ich kein Vertrauen in andere Menschen fassen kann. Auf der distanzierten Ebene (ich berate beruflich Menschen und helfe ihnen bei der gesellschaftlichen Wiedereingliederung, dass muss man sich mal vorstellen) funktioniert es einwandfrei. Aber immer dann, wenn mir jemand zu nahe kommt, und sei es auch nur ein Kollege oder eine Kollegin, reagiere ich panisch. Gar nicht aufgeregt oder dramatisch, aber eben mit Verweigerung. Melde mich nicht mehr und/oder sorge dafür, dass dieser Mensch mich als unangenehm wahrnimmt. Damit er sich von mir löst und ich das nicht tun muss. Denn ich könnte niemals zugeben, dass ich Angst vor Nähe habe. Ich meine, wie wirkt das denn? Ich, der jeden Tag im Job mit schwierigen Menschen und Situationen zurecht kommt? Ich, der immer ein Lächeln und eine Aufmunterung parat hat? Das geht nicht, oooh nein. Wer mich sieht, würde niemals glauben, dass ich meine Zeit allein verbringe, dass ich beim Einkaufen sogar das Gespäch mit der Kassiererin zu vermeiden suche, dass der leiseste Hauch von gefühlter Zurückweisung mir Herzrasen macht. Dass ich mir eher die Zunge abbeissen würde, als nochmal einem einzigen Menschen meine Gefühle anzuvertrauen.

Das zum Einen. Und auf der anderen Seite sehne ich mich insgeheim so sehr nach einem echten Freund, der mich versteht und mich einfach so nimmt, wie ich bin. Und ich kann es gar nicht beschreiben, wie sehr mir die Nähe einer Partnerin fehlt, wie schlimm das ist, wenn man nachts aufwacht und rübergreift, nur um festzustellen, dass da niemand ist.
Aber statt loszugehen und mir einfach wieder Menschen zu suchen, gehe ich nach der Arbeit zum Sport (Kraftsport) und fauche jede Frau an, die es wagt, mich anzusprechen. Oder ich gehe am Wochenende aufs Feld (ich kite), allein, mit Musikstöpseln in den Ohren, damit es niemand wagt, mich zu stören. Ich kapsel mich ab. Auch deshalb, weil es mir eigentlich sooo leicht fällt, potenzielle Freunde und Frauen für mich zu begeistern. Es ist ein Dilemma, und es gibt keinen Ausweg...

Danke für's Lesen, ich werd hier wahrscheinlich regelmäßig mal meine Gedanken zu dem Thema reinschreiben. Denn dadurch wird mein Kopf irgendwie klarer.

Kitefan
 

michaela

Erfahrenes Mitglied
#2
naja bis freundschaften hab ich gelesen, dann wars zu anstrengend ;)
kann ich zum Teil verstehen - irgendwie gehts hier ja jedem ähnlich.
Inzwishcen sind meine "Freunde" irgendwie auch nur noch Bekannte - man sieht sich kaum, hat sich wenig zu sagen....
mich störts irgendwie kaum wen zu haben und ja einen Knacks hab ich wohl auch

frei fühle ich mich nicht, sondern ausgestoßen
 

Maybe

Neues Mitglied
#3
Wow......heftig!
Ich hab's gelesen, vom Anfang bis zum Ende, weil Menschen mich interessieren!
Such dir professionelle Hilfe, denn dieser 'Knacks' verschwindet nicht von alleine.
Du hast dir deine Isolation selbst ausgesucht und auferlegt, als momentaner Selbstschutz. Aber du schreibst ja selbst, dass das nicht deiner Natur entspricht und du dich nach Freundschaft und Beziehung sehnst. Dieser innere Zwiespalt wird dich mit der Zeit zerfressen! Lass dir helfen!
LG
 

Kitefan

Neues Mitglied
#4
Guten Abend.

( ät )Maybe: Ich hatte professionelle Hilfe. Ein Jahr lang Gesprächstherapie mit einer kurzen medikamentösen Behandlung zu Anfang. Leider empfand ich diese Sitzungen mit der Zeit nur noch als lästig. Die Therapeutin war nicht in der Lage, meinen Gedankengängen zu folgen. Schließlich entließ sie mich aus den Sitzungen als "untherapierbar". Die Furcht vor emotionaler Nähe hat sich zu tief eingebrannt. Es gibt wohl Phasen, da taue ich etwas auf. Aber nicht lange und nicht endgültig.

Heute ist mir wieder mal etwas passiert, das mir Sorgen macht. Ich habe eine Arbeitskollegin. Mit ihr verstehe ich mich blendend, obwohl wir uns nicht allzu lange kennen, etwa ein halbes Jahr. Wir lachen zusammen, gehen auch mal in der Mittagspause ein Eis essen und dergleichen. Mit ihr kann ich völlig entspannt umgehen und das beeindruckt sie sehr. Kein Wunder, sie stellt ja auch keine "Gefahr" dar. Ich muss ihr nicht näher kommen und sie (da sie demnächst heiratet) kommt mir auch nicht zu nahe (ist verständlich, wie ich das meine?).
Anders verhält es sich mit ihrer besten Freundin. Die habe ich ein- oder zweimal gesehen, als meine Kollegin von ihr abgeholt wurde. Eine verdammt hübsche und nette Frau. Heute also drückte mir meine Kollegin die Nummer ihrer Freundin in die Hand und sagte mir, dass diese sich wünscht, dass ich sie anrufe. Eindeutiges Signal, denke ich. Begleitet wurde die Übergabe mit den Worten "mal sehen, ob Du Eier in der Hose hast". Und sofort, SOFORT stellten sich bei mir Herzrasen und Unwohlsein ein. Das war heute Mittag. Jetzt (also heute Abend) ist es so schlimm, dass mir übel geworden ist und ich schon überlege, ob ich die nächste Woche krank mache, um einer womöglich unangenehmen Situtaion zu entgehen.
Auf der einen Seite freue ich mich wie bolle, dass eine Frau, die ich auch extrem niedlich finde, Interesse an mir zeigt. Auf der anderen Seite fürchte ich mich fast zu tode davor, mit ihr in Kontakt zu kommen. Zum verzweifeln.

Bei dem Gedanken daran, das Telefon in die Hand zu nehmen und diese Frau einfach anzurufen, bekomme ich Puls und mir bricht der kalte Schweiß aus. Was organisches ist es nicht. Wie bereits gesagt, ich besuche ja seit längerem ein Fitnessstudio und kennen meinen Körper mit seinen Reaktionen ziemlich genau.
Auch habe ich keine Sorge, dass ich mich wie ein Trottel anstellen könnte. Ich kann gut mit Leuten reden und komme meist auch gut an. Aber der Gedanke, dass wieder einmal das ganze Thema "Kennenlernen-verlieben-zusammenkommen-undsoweiter" auf mich zukommt, erzeugt in mir eine heftige Abwehr.
Dabei will ich doch, bewusst zumindest. Nur mein Unterbewusstsein habe ich nicht unter Kontrolle. Aber wer hat das schon.
Das hier soll auch kein Hilferuf sein. Ich fühle mich nur einfach besser, wenn ich es runterschreibe.
 

Tiney

Neues Mitglied
#5
Hey Kitefan,
du solltest dich deinen Ängsten auf jeden Fall stellen. Du bist doch nicht zufrieden mit der jetzigen Situation... Es kann nur besser werden, wenn du etwas veränderst. Es müssen keine großen Schritte sein, kleine reichen erstmal vollkommen aus. Vielleicht in Form von einer Sms an die Freundin deiner Arbeitskollegin!? Du musst dich ja nicht direkt mit ihr treffen...versuche erstmal Vertrauen durch ein bisschen Hin-und Hergeschreibe aufzubauen. Ich denke du brauchst positive Erlebnisse und dafür musst du etwas tun.;)
Liebe Grüße
 

Kitefan

Neues Mitglied
#6
Danke für Deinen Rat. Ich hab ihn befolgt und ihr heute etwas geschrieben. Mit dem ERgebnis, dass sie antwortete und sich darauf freut, dass ich sie anrufe. Und schon steh ich wieder vor dem selben Problem. Abgesehen davon, dass ich im Telefonieren wirklich nicht gut bin.
 

Tiney

Neues Mitglied
#7
Erst einmal suuuper, dass du ihr geschrieben hast.:) Hast du dich ein wenig über die Antwort gefreut oder hattest du direkt ein komisches Gefühl? Möchte sie nur so mit dir telefonieren und quatschen oder sollst du sie anrufen um ein Treffen zu vereinbaren? Miteinander zu telefonieren ist aber auch schwierig, wenn man sich noch nicht so gut kennt. Ich versteh das total, aber es hilft alles nix. Du solltest jetzt dran bleiben. Ich denke mal, dass du dich gerne mit ihr treffen möchtest? Vielleicht erstmal nur auf einen Kaffee!? Ich kann dir nur raten; sei ehrlich und erkläre ihr, dass du am Anfang etwas zurückhaltend bist, aber das sich das legt. Du hörst gerne zu und möchtest mehr über sie erfahren. (Frauen lieben es zu reden, vertrau mir;)) Wichtig ist bleib interessiert, höre ihr aufmerksam zu. Falls in dir Panik ausbrechen sollte, lass es zu und halte durch. In der Regel verschwindet das Gefühl nach 5-8Minuten. Denk dran, du brauchst positive Erlebnisse.;)
Liebe Grüße
 

Kitefan

Neues Mitglied
#8
Das ist ja witzig...

ich hab ihr heute genau das geschrieben. Ob sie Lust hat, sich mit mir auf einen Kaffee zu treffen. Zuerst hatte ich anrufen wollen, aber dazu konnte ich mich einfach nicht überwinden. Ich hab's mehrmals probiert und saß dann vor meinem Telefon wie das Kaninchen vor der Schlange.
Klar hab ich mich gefreut, dass sie geantwortet hat. Aber zugleich fühlte ich mich auch wieder unter Druck gesetzt. Weil ich ja jetzt was tun muss. Ich komme mit den Erwartungen anderer an mich nicht gut klar. Wahrscheinlich deshalb, dass ich immer wieder Schelte kassiert habe, wenn ich mich so verhalten habe, wie mir gerade war. Leider versteht es so gut wie kein Mensch, was es heißt, Nähe nicht ertragen zu können. Bis auf die, denen es selber so geht. Ich hatte mal so eine Freundin. Sie Schwierigkeiten mit Nähe, ich Schwierigkeiten mit Nähe. Das war vielleicht ein Desaster. Wir haben uns damit ständig gegenseitig verletzt.

Wie ich mit Panik in den entscheidenden Momenten umgehe, weiß ich gar nicht. Normalerweise tendiere ich zur Flucht oder werde dann extrem unterkühlt. Beides würde wohl nicht gut sein in diesem Moment. Vor allem nicht, da sie echt nett zu sein scheint.
 

liodoro

Neues Mitglied
#9
So ging es mir ähnlich zu wir waren eine kleine Gemeinschaft die Jahrelang zusammen hielt. Doch mit der Zeit sind es nur vier Leute übrig geblieben die sich aber nicht regelmäßig sehen. Oftmals wünsche ich mir es währe anders.
 
#10
Tja, also ...... ich habe mir jetzt alles durchgelesen. Alles!! Den gesamten Thread. Und davon abgesehen dass ich Dein Verhalten nachvollziehen kann - ich habe eine Brieffreundin die ebenfalls Beziehungsphobikerin ist und kann mich daher relativ gut in Dich hinein versetzen -, hätte ich zum Thema mit der Freundin Deiner Arbeitskollegin nur eine Frage: Warum, zum Geier, hat Deine Arbeitskollegin bei der Übergabe der Telefonnummer gesagt: "Mal sehen ob Du Eier in der Hose hast"? Das ist etwas, was mich zum Beispiel absolut abgestoßen hätte! Solche Kommentare zeugen weder von geistiger Reife, noch hat es etwas sympathisches, oder gar attraktives an sich. Ich hätte die Nummer nach diesem Spruch glatt weggeworfen!

Ungeachtet dessen kann ich meinem Vorposter Tiney zum einen Recht geben, Du solltest versuchen an Dir zu arbeiten. Andererseits aber auch wiedersprechen. Man muss in Deiner Situation ganz klar nach Deinen Regeln vorgehen. Man kann nicht erwarten dass Du vor Freude Luftsprünge machst, nur weil es eine attraktive Frau in Deinem Leben gibt, die etwas von Dir will. Immerhin kennst Du sie nicht, kannst nicht abwägen und genau vorhersagen wann auch sie Dich verletzt, fallen lässt, hintergeht, was auch immer.

Ehrlichkeit ist hier sicher angebracht. Denk an Deine eigenen Therapieansätze in Deinem Job, bei Deinen "Patienten". Sage Dir selbst was Du anderen predigst: Nichts über's Knie brechen, einen Schritt nach dem anderen gehen. Offen und ehrlich sagen was für Defizite Du hast und Dir von ihr erklären lassen was sie für Vorstellungen und Wünsche hat. Vor allem was sie erwartet.

Gruß, Seelentröster. :)
 
Oben